Archiv der Kategorie 'Theorie'

Celikates‘ Bourdieu-Kritik im Gespräch

Im Rahmen des Bildungsstreiks 2009 in Frankfurt am Main wurde ein Gespräch mit Robin Celikates organsiert. Darin stellt er seine damals frisch publizierte Dissertation vor, in der er u. a. eine Form der Herrschaftskritik problematisiert, für die er Bourdieus kritische Soziologie anführt und ausführt. (mehr…)

Über den Kommunismus reden?

Im Gegensatz zur grundsätzlichen Skepsis gegenüber Politischem findet die Skepsis gegenüber Utopismus, Optimismus und Revolutionshoffnungen ihren Verdacht in den regressiven Tendenzen der revolutionären Bewegungen des 20 Jahrhunderts begründet. (Auf deren angemessene Berücksichtung klopft spiegelschrift verschiedene Ansätze ab.)

Aber sollen wir deswegen gar nicht mehr von einer besseren Welt sprechen? Sollten wir ein Bilder- und Redeverbot über Sozialismus, Kommunismus und die Gesellschaft freier ProduzentInnen verhängen? Die revolutionären Hoffnungen wurzeln tatsächlich oft in einem überkommenen politischen Glauben oder in dem tiefen Bedürfnis, sich als besonders wahrhaft und radikal gegen das falsche Ganze zu gerieren.1 Doch muss deswegen nicht alle Rede von einer besseren Welt korrumpiert und unmittelbar zu verwerfen sein. Mit der nötigen, durch Kritik fundierten Vorsicht verhelfen ihr etwa Walter Benjamin, Max Horkheimer und Theodor W. Adorno zur Sprache. (mehr…)

Die Skepsis gegenüber Ethik und Politik

„‚Ein Tatsachenurteil‘, sagt Russell, einer der objektivistischsten Denker unter den Subjektivisten, ‚ist einer Eigenschaft fähig, die ‚Wahrheit‘ genannt wird, die ihm ganz unabhängig davon, was einer sich dabei denkt, zukommt oder nicht zukommt. … Aber … ich sehe keine der ‚Wahrheit‘ analoge Eigenschaft, die zu einem ethischen Urteil gehört oder nicht gehört. Das, so muß zugegeben werden, ordnet die Ethik einer von der Wissenscahft verschiedenen Kategorie zu.‘“ (Horkheimer: Kritik der instrumentellen Vernunft, Ffm 1967. S. 19.)

Die Zeitschrift „Radical Philosophy was“ – wie auf ihrer Website steht – „founded in 1972 in response to the widely felt discontent with the sterility of academic philosophy at the time (in Britain completely dominated by the narrowest sort of „ordinary language“ philosophy), with the purpose of providing a forum for the theoretical work which was emerging in the wake of the radical movements of the 1960s, in philosophy and other fields.“

Für Manfred Riedel und viele andere wohl auch der Grund für ihre Rehabilitierung der praktischen Philosophie (1972-1974).

Notizen zu den konkurrierenden „Wirklichkeiten“ von Bourdieu und Marx

In einem schönen Aufsatz zur Einführung in Bourdieus Werk von Beate Krais gibt’s aufschlussreiche Stellen zum Verhältnis von Theorie und Praxis und dazu, wie soziale Realität verstanden werden muss.

(Krais 2004: 194): Im Zusammenhang mit dem Begriff des Habitus zur Frage, wo die soziale Realität ist, gibt sie das Zitat: „Die soziale Realität existiert sozusagen zweimal, in den Sachen und in den Köpfen, in den Feldern und in den Habitus, innerhalb und außerhalb der Akteure“ (Bourdieu/Wacquant 1996: 161) (mehr…)

Wie kann die kapitalistische Produktionsweise (als gesellschaftliche Struktur) behauptet werden?

(Vor einiger Zeit habe ich mir diese Frage hier aufgeschrieben. Da sie mich nicht richtig loslässt, lasse ich sie mal frei):

Wie kann die kapitalistische Produktionsweise (als gesellschaftliche Struktur) behauptet werden? Ich will kritisch überprüfen, was die zu erfüllenden Voraussetzungen sind, um tatsächlich von der Herrschaft der kapitalistischen Produktionsweise sprechen zu können. Diese Frage scheint zunächst sehr abstrakt und theoretisch, aber sie ist fundamental. Von ihr hängt nämlich ab, ob heute von einer kapitlistischen Produktionsweise gesprochen werden kann und – logisch vorher – was „kapitalistische Produktionsweise“ überhaupt heißt.
Es knüpft sich auch die Frage an, wie die kapitalistische Produktionsweise überwunden werden kann. Denn dafür müssten – wenigstens scheint es mir so – eben diese Voraussetzungen verändert werden. Wenn heute tatsächlich von einer kapitalistischen Produktionsweise die Rede sein kann, dann muss eine Politik, deren Projekt es ist, sie zu überwinden, mit ihr die Voraussetzungen ihres Handelns im doppelten Sinne kennen: einerseits als Struktur der aktuellen Gesellschaft, in der gehandelt werden muss, andererseits als dasjenige, was überwunden werden soll. Und sicherlich schließt die Form der Produktionsweise bestimmte Arten der Politik aus, womit – zunächst erst negativ – auch schon Implikationen dazu gegeben sind, was für einer Art eine Politik sein müsste. (mehr…)